Wo kann ich entbinden? Geburtsorte bzw. Entbindungsorte im Überblick
Abgesehen von Risikoschwangerschaften – bei denen als Entbindungsort aufgrund der Nähe zu medizinischen Hilfsmitteln und Fachpersonal ausschließlich spezialisierte Kliniken in Frage kommen sollten - steht es jeder Schwangeren frei, den für sie persönlich angenehmsten Ort für die Geburt des Nachwuchses zu wählen. Aber welche Möglichkeiten gibt es denn eigentlich und anhand welcher Kriterien sollte die Wahl des Entbindungsortes stattfinden?
Bevor Sie sich auf einen Entbindungsort festlegen, sollten Sie sich für eine Geburtsmethode entschieden haben. So sind z.B. Wassergeburten nicht überall möglich und auch die „sanfte Geburt“ wird nicht in jeder Klinik angeboten. Sie wissen noch nicht, welche Geburtsmethode Sie bevorzugen? Besuchen Sie unsere Übersicht unterschiedlicher Geburtsmethoden…
Übersicht von Entbindungsorten / Geburtsorten
Hausgeburt
Viele werdende Mütter legen Wert darauf, das Kind auf natürliche Art zu entbinden und den Ablauf der Geburt selbst zu bestimmen. Auch wenn heutzutage nur ca. 2% der Kinder im eigenen Haus bzw. in der eigenen Wohnung entbunden werden, kann bei einer Hausgeburt der Ablauf der Geburt selbst bestimmt werden. Die werdende Mutter bleibt in der gewohnten Umgebung und der Ehemann sowie die nahen Verwandten können vor Ort die Ankunft des Nachwuchses miterleben. Eine Hebamme begleitet bei einer Hausgeburt die Geburt von der ersten Sekunde an, gibt der Mutter Sicherheit und sorgt für eine problemlose Entbindung. Die werdende Mutter hat bei einer Hausgeburt die Möglichkeit, die optimale Geburtsposition selbst zu erforschen und das Kind im Liegen, in der Hocke oder auch im Stehen gebären.
Für eine Hausgeburt sollten jedoch folgende Voraussetzungen beachtet werden: Sofern es sich bei der Schwangerschaft um eine Risikoschwangerschaft handelt, ist eine Hausgeburt aufgrund der möglichen Komplikationen gänzlich ungeeignet. Und auch bei normalem Schwangerschaftsverlauf sollte die nächste Klinik nicht mehr als 20 Minuten entfernt sein.
Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, ob in Ihrem Fall eine Hausgeburt möglich ist und wie diese ggf. ablaufen würde!
Klinikgeburt
Aufgrund der Nähe zu Fachpersonal und medizinischen Hilfsmitteln werden auch heute noch fast alle Babys in der Klinik zur Welt gebracht. Sollten auch Sie die Sicherheit der Klinikgeburt bevorzugen, informieren Sie sich über die Geburtsabläufe und Möglichkeiten in den Krankenhäusern der Umgebung. Damit Sie bei der Entbindung keine bösen Überraschungen auftreten, setzen Sie sich bei den in Frage kommenden Kliniken bereits im Vorfeld intensiv mit den folgenden Fragestellungen auseinander und treffen Sie erst dann Ihre Wahl:
- Wie sind die Entbindungsräume ausgestattet und wie viele Entbindungszimmer stehen zur Verfügung?
- Wie ist der Ablauf vor der Geburt? Darf während des Wartens im Entbindungszimmer getrunken und gegessen werden und darf die Schwangere sich vor der Geburt frei bewegen?
- Steht zu jeder Zeit entsprechendes Fachpersonal zur Verfügung (Narkosearzt, Kinderarzt, Geburtshelfer)?
- Wie viele Schwangere werden von einem Arzt / einer Hebamme gleichzeitig betreut?
- Besteht die Möglichkeit einer ambulanten Entbindung / einer Wassergeburt / einem gewünschten Kaiserschnitt bzw. darf die Geburtsposition frei gewählt werden?
- Wird ein natürlicher Geburtsvorgang unterstützt oder wird die Geburt bewusst eingeleitet?
- Kann in dem Krankenhaus eine Nabelschnurblutabnahme erfolgen?
- Werden routinemäßig schmerzlindernde Mittel verabreicht bzw. welche Schmerzmittel werden generell eingesetzt?
- Können bei Komplikationen jederzeit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (OP, Dammschnitt, Kaiserschnitt, Brutkasten Intensivstation für Neugeborene/Frühchen…)
- Darf das Baby nach der Geburt bei der Mutter bleiben bzw. welche Rooming-In Möglichkeiten bestehen?
- Wie sind die Besuchszeiten geregelt?
Geburtshaus
Geburtshäuser sind in der Regel von Hebammen betreute Einrichtungen, in denen die Entbindung in entspannter und persönlicher Atmosphäre stattfindet und auf die Bedürfnisse und Wünsche der Schwangeren besser eingegangen werden kann als in einem Krankenhaus. Die Entbindungszimmer sind groß, gemütlich eingerichtet und bieten so weit mehr Komfort als normale Krankenhauszimmer. Meist findet die Geburt in Geburtshäusern ambulant statt, so dass Mutter und Kind bereits kurze Zeit nach der Entbindung nach Hause dürfen. In einigen Geburtshäusern ist jedoch auch ein stationärer Aufenthalt möglich. Sollten bei der Geburt in einem Geburtshaus Komplikationen auftreten, wird die Entbindung auf das nächstliegende Krankenhaus verlegt. Zwar sind einigen Geburtshäusern auch Ärzte vorhanden, die bei Bedarf hinzugezogen werden können, in der Regel wird die Geburtsbetreuung jedoch ausschließlich von einer Hebamme durchgeführt. Ein weiterer Vorteil von Geburtshäusern liegt darin, dass die Geburt als ganzheitlicher Aspekt betrachtet wird und die Eltern nicht nur vor und während der Geburt betreut werden, sondern auch in den ersten Wochen jederzeit persönliche Beratung in allen Fragen erhalten. Bezüglich eines Geburtshauses in Ihrer Nähe sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme befragen.
Ambulante Geburt
Die ambulante Geburt ist eigentlich kein eigenständiger Entbindungsort, sondern eher eine Möglichkeit, die sowohl von Geburtshäusern aber auch von einigen Krankenhäusern angeboten wird. Sofern es Mutter und Kind nach der Geburt gut geht, können sie nach den notwendigen ersten Untersuchungen den Entbindungsort schon nach wenigen Stunden verlassen und in die eigenen vier Wände zurückkehren. So können sie die ersten Tage im Kreis ihrer Lieben verbringen und sind während der Geburt dennoch optimal medizinisch versorgt. Dennoch sollten Schwangere bei einer ambulanten Geburt beachten, dass sie in den ersten Tagen nicht voll einsatzfähig sind und sich ein wenig Ruhe gönnen sollten. So ist es sinnvoll, sich für die ersten Tage eine Unterstützung im Haushalt zu organisieren. Außerdem sollte in den ersten Tagen eine Hebamme ein Auge auf die Entwicklung von Mutter und Kind haben – diese Nachsorge wird übrigens auch bei ambulanten Geburten von der Krankenkasse übernommen!